Mina K.
Zwischen zwei Welten

Shoppingtrip nach Venlo (Mai 2016)

Unsere Tochter war über Pfingsten ab Freitag drei Nächte lang im Pfadfinderlager. Wir hatten also wieder einmal kindfrei, was nicht oft vorkam, schon gar nicht für eine so lange Zeit.

Ich offenbarte meiner Frau, dass ich diese Gelegenheit gerne mal wieder dafür nutzen würde, als Mina unterwegs zu sein. Einen Tag späte schlug meine Frau vor, dass wir doch am Samstag einen Shopping-Trip nach Holland machen könnten. Ich war sofort einverstanden.

Schon in den Tagen davor bereitete ich mich darauf vor, indem ich meine Körperbehaarung komplett entfernte. Außerdem feilte mir meine Frau am Freitagabend, als unsere Tochter bereits unterwegs war, die Fuß- und Fingernägel und lackierte sie in einem kräftigen Rot.

Am Samstagmorgen war es dann so weit. Beim Duschen rasierte ich mich nochmals gründlich am ganzen Körper. Meine Haar ließ ich aus, denn feuchte Haare unter einer sind auf Dauer mehr als unangenehm.

Ich zog eins meiner Caché-Sex-Höschen an mit passendem BH. Darüber einen weißen Body und eine hautfarbene Feinstrumpfhose, beides figurformend.

Es waren an dem Tag nur 12°C, daher entschied ich mich als Outfit für meinen knielangen dunkelblauen Jeansrock und mein schwarz-weißes Strickoberteil mit den transparenten Spitzen-Einsätzen an den Schultern. Dazu kamen meine hochhackigen schwarzen Lederstiefel und die Plüschjacke, die ich letztes Jahr für Karneval gekauft hatte.

Dann schminkte ich mich dezent, nur der Lippenstift hatte ein kräftiges Rot, passend zu meinen Nägeln. Ich setzte eine brünette Langhaar-Perücke auf und legte noch etwas Schmuck an. Schließlich gönnte ich mir noch ein paar Spritzer Parfüm und packte meine Handtasche. Ich war abfahrbereit.

Zum Glück begegneten wir auf dem Weg von der Haustür zu Auto keinem unserer Nachbarn. Das hätte peinlich werden können. Das Fahren mit hohen Absätzen bereitete mir kein Schwierigkeiten. Ich hatte zwar gehofft, mich auf der langen Autofahrt noch ein wenig entspannen und beruhigen zu können, bevor ich meinen ersten Auftritt in der Öffentlichkeit seit über drei Jahren hätte. Doch ich war ein wenig nervös. Und zwar so sehr, dass mir nach ein paar Kilometern recht warm in meiner Jacke wurde. Außerdem waren meine Hände ganz feucht und ich hatte eine trockene Kehle. Meine Frau musste aufs Klo.

An einer Autobahnraststätte fuhren wir ab und ich hielt auf einem Frauenparkplatz neben dem Tankstellengebäude. Während meine Frau das WC aufsuchte, stieg ich kurz aus, um etwas zu trinken aus dem Kofferraum zu holen und meine Jacke auszuziehen. In der Nähe standen zwei Frauen und unterhielten sich. Sie blickten kurz zu mir herüber, beachteten mich aber nicht weiter. Ich hatte einen ersten Test bestanden. Das gab mir ein wenig mehr Selbstvertrauen.

Die weitere Fahrt verlief ereignislos, bis wir schließlich in Venlo ankamen und parkten. Ich hing mir meine Handtasche über die Schulter und wir zogen los.

Als erstes gingen wir in ein Schuhgeschäft. Wie selbstverständlich stöberte ich an der Seite meiner Frau durch die Regale und suchte was Passendes. Glücklicherweise hatten sie dort einige günstige Schuhe auch in größeren Größen vorrätig. Mit einem ganzen Stapel Kartons bewaffnet ging ich zu einem Anprobier-Hocker.

Möglichst damenhaft zog ich meine Stiefel aus. Meine rotlackierten Zehennägel schienen durch die transparente Strumpfhose. Ich bemerkte einen Mann, der seine Partnerin beim Schuhe kaufen begleitete, wie er unauffällig auf meine Füße starrte. Ich hoffte, ihm gefiel, was er sah.

Ich probierte ein Paar Schuhe nach dem anderen an, spazierte damit ein wenig durch den Laden und betrachtete mich im Spiegel, genau wie die anderen Frauen, die im Laden waren. Von einem Paar Schuhen in Größe 42, die ein wenig zu eng waren, suchte ich nach einer anderen Größe. Es war aber nur 44 vorrätig. Ich nahm den Karton trotzdem und probierte auch das Paar an. Leider war es zu groß.

Eine Verkäuferin kam zu mir und meinte, dass sie bald schließen würden. Ich sagte "okay" und zog wieder meine eigenen Stiefel an. Leider war nichts wirklich Passendes in Größe 43 dabei, nur 42 und 44. Unverrichteter Dinge verließen wir den Laden.

Wir gingen weiter und stellten fest, dass die meisten Geschäfte gerade im Begriff waren, zu schließen. Da fiel uns auf, dass es bereits 17 Uhr war. Ich befürchtete schon, dass unser Shopping-Trip vorbei war, bevor er richtig angefangen hatte. Doch dann entdeckten wir, dass Primark als eines der letzten Geschäfte noch bis 18:30 geöffnet war. Natürlich gingen wir hinein.

Zunächst gingen wir noch gemeinsam durch die Reihen. Doch als meine Frau an einem Ständer, an dem ich nichts Interessantes für mich fand, etwas länger verweilte, ging ich alleine weiter, um mich umzusehen.

Ich fand eine kurze Strickjacke und wollte sie gleich an Ort und Stelle anprobieren. Ich hing meine Handtasche und meine Jacke an einen Kleiderständer zog die Strickjacke über. In der Nähe war ein großer Spiegel, also warf ich mir meine Handtasche über die Schulter — schließlich war darin mein Geld, Papiere, Handy, Schlüssel und der ganze andere Kram, den frau so braucht.

Vor dem Spiegel traf ich meine Frau wieder. Wir wechselten ein paar Worte und betrachteten beide unsere vorläufigen Errungenschaften. Die Jacke sollte nur 3 Euro kosten und ich entschied mich dafür, sie mitzunehmen. Ich schnappte mir meine eigene Jacke und holte vom Eingang des Geschäftes eine Tragetasche. Darin verschwanden meine eigene und die Strickjacke. Der Mann von der Security beobachtete mich dabei aufmerksam.

Da meine Frau immer noch anderweitig beschäftigt war, ging ich weiter alleine die Reihen ab. Was für die meisten biologischen Frauen eine absolute Selbstverständlichkeit und nichts Besonderes ist, war für mich eine neue und aufregende Erfahrung. Ich genoss es unwahrscheinlich, frei und unabhängig durch die Damenabteilung zu spazieren und nach Schnäppchen Ausschau zu halten.

Das Klackern meiner hohen Absätze auf dem harten Boden war die ganze Zeit über zu hören. Hier und da bemerkte ich ein paar Blicke von anderen Kunden. Doch niemand starrte mich länger an. Ich glaube, die meisten haben meine wahre Natur nicht bemerkt. Und wenn doch, dann war es ihnen egal. Ich fühlte mich wohl in meiner Haut.

Ich fand jede Menge schicker Sachen und mein Einkaufsbeutel wurde voller und voller. Ich traf meine Frau wieder und meinte, ich müsse jetzt mal in die Umkleidekabine. Dort angekommen meinte ein Mitarbeiter, dass ich nur acht Teile mitnehmen dürfe. Also durchwühlte ich meine Tasche und suchte ein paar Jacken und Schuhe heraus, die ich auch außerhalb der Kabine anprobieren konnte. Diese Sachen ließ ich bei meiner Frau.

Mit dem Rest kam ich schließlich zurück zu den Umkleiden und der Mitarbeite zählte, wie viel ich dabei hatte. Er programmierte eine Plastikkarte mit der richtigen Anzahl und gab sie mir. Dann wies er mir den Weg zu den Damenumkleidekabinen.

Ich ging an mehreren anderen Kabinen vorbei. Bei den meisten war der Vorhang zugezogen. Einige standen offen, waren aber ganz offensichtlich noch in Gebrauch. Lässig ging ich an mehreren anderen Kundinnen vorbei, die sich im Spiegel betrachteten und sich mit ihren Freundinnen unterhielten. Die letzten freien Kabinen waren ganz hinten. Ich ging in eine hinein und zog den Vorhang hinter mir zu.

Dort angekommen stellte ich meine Handtasche auf die Sitzbank und sortierte ich zunächst meine Beute und hing alles an die dafür vorgesehenen Haken. Als erstes probierte ich die diversen Oberteile an. Meine Frisur hat dadurch ein wenig gelitten und ich bedauerte, keine Haarbürste dabei zu haben. Ich fügte sie gedanklich meiner Liste an Must-haves für die Handtasche hinzu.

Dann zog ich auch meine Stiefel aus und probierte die Röcke, die ich ausgesucht hatte. Hosen hatte ich nicht dabei.

Als ich fertig war, zog ich mich wieder an und verließ die Kabine. Die Plastikkarte und die Sachen, die ich nicht wollte, gab ich dem Mitarbeiter am Eingang zu den Umkleidekabinen.

Meine Frau wartete draußen auf mich und ich zeigte ihr einen Kunstwildlederrock in Größe 40, der zwar süß und günstig, aber auch ein wenig zu eng war. Gemeinsam suchten wir den entsprechenden Kleiderständer auf und ich fand den gleichen Rock in 42 und verschwand damit erneut in eine Umkleidekabine, das ganze Prozedere mit der Plastikkarte inklusive. Der Rock passte perfekt!

Mit einem vollen Einkaufsbeutel — auch meine Frau hatte ein paar Stücke für sich entdeckt — machten wir uns auf in die zweite Etage. Die Schuhabteilung dort wollte ich mir keinesfalls entgehen lassen.

Ich probierte ein paar Pumps an, doch die waren alle zu eng und in meiner Größe nicht vorrätig. Die hohen braunen Keilsandaletten in 42, die ich von unten mit hoch genommen hatte, passten war, aber oben fand ich sie nochmal in Größe 43, und diese passten noch besser. Ich entschied, diese auch mitzunehmen.

Meine Frau fand ein paar leichte weiße Herren-Stoffschuhe für den Sommer und meinte, so etwas hätte ich doch neulich auch gesucht. Doch ich meinte — nicht ganz ernst gemeint — es wäre mir ein wenig peinlich, als Frau Herrenschuhe anzuprobieren. Denn normalerweise ist die Situation genau umgekehrt, wenn ich als Mann ein paar hübsche Damenschuhe in einem Geschäft entdecke und irgendwo verstohlen und versteckt versuche sie anzuprobieren, ohne dass es jemand sieht, während meine Frau Schmiere steht.

Schließlich gingen wir zu den Kassen. Meine Frau übernahm die Bezahlung. Ich war darüber teils erleichtert, weil sie mir das abnahm, und teils enttäuscht, weil sie mir die Chance nahm, diese letzte Herausforderung selbst zu bestehen.

Schwer bepackt verließen wir das Geschäft, das sowieso in wenigen Minuten schließen sollte. Wir waren deutlich über eine Stunde in dem Laden, von der ich jede einzelne Minute genossen habe.

Jetzt blieb nur noch eines zu tun. Der Grund, warum wir nach Venlo gefahren sind und nicht in irgendeine andere Großstadt im Ruhrgebiet, waren auch die weiteren Einkaufsmöglichkeiten, die es so in Deutschland nicht gibt.

Nobody’s Place ist so ein Laden. Ich bin dort mit meinem Personalausweis als Kunde registriert. Wenn ich dort etwas kaufen möchte, muss ich bloß meine Geheimzahl am Verkaufstresen eingeben und mich nicht weiter legitimieren. Ich weiß nicht, ob die Mitarbeiter dort dann ein Bild meines Ausweises, nur einen Namen oder gar nichts von mir auf ihren Bildschirmen sehen.

Meine Frau bot mir an, dass für mich zu übernehmen, falls es mir peinlich sein sollte. Sie würde sich gegebenenfalls auch selbst registrieren lassen. Doch ich sagte ihr, dass ich das schon selbst erledigen würde. Das High-Gefühl nach dem Shoppen und dem dadurch befriedigten Jagdinstinkt, sowie die allgemeine Situation, in der ich mich, nach der anfänglichen Nervosität, jetzt eigentlich recht wohl fühlte, gaben mir genug Selbstvertrauen.

Ich betrat das Geschäft und der Türsteher fragte mich, ob ich schon mal dagewesen wäre und eine Geheimnummer hätte, was ich bejahte. Er ließ mich durch und ich stellte mich an der Schlange an. Gut ein halbes Dutzend Kunden waren vor mir dran. Alles Männer. Ich wartete ganz entspannt, bis ich an der Reihe war und sich mich inzwischen ein wenig in dem Laden um. Er war gut besucht, wie immer.

Als ich schließlich an der Reihe war erkannte ich den Verkäufer wieder. Es war der Türsteher, der mich bei allen vorigen Besuchen als Mann jeweils hineingelassen hatte. Ich weiß nicht, ob er mich erkannte, vor oder nachdem ich meine Geheimnummer auf der Nummernblock-Tastatur eintippte und so meine Legitimation bestätigte. Wir wickelten das Geschäft ab, ich steckte die Ware in meine Handtasche und er wünschte mir noch einen schönen Tag, was ich erwiderte.

Gerade als ich den Laden verlassen wollte, strömte eine ganze Schar neuer Kundschaft hinein, dass es fast ein Gedränge an der Tür gab. Ich musste etwas warten, bevor ich raus konnte. Es waren zwei junge Frauen unter den Kunden, die mich interessiert musterten. Ich lächelte sie an und schob mich bei der nächstbesten Gelegenheit zur Tür hinaus.

Dort wartete meine Frau und gemeinsam machten wir uns auf den Rückweg zu unserem Auto. Es war nicht mehr viel los auf den Straßen und wir begegneten kaum Leuten.

Wir bezahlten das Parkticket am Automaten, verluden unsere Einkäufe im Wagen und ich fuhr los.

Damit die lange Autofahrt sich auch lohnen würde und weil es in den Coffeshops nur sehr begrenzte Mengen zu kaufen gab, steuerte ich noch das Klein Maar Fijn an. Dort muss man jedes Mal seinen Ausweis vorlegen und diesmal habe ich mich nicht getraut, selbst dort rein zu gehen. Der Laden und der Rastafari am Verkauf sind ein wenig unheimlich. Und ich wollte mir die Peinlichkeit ersparen, falls es Rückfragen wegen eines vorgeblich falschen Ausweises geben sollte. Meine Frau erledigte das dankenswerterweise für mich.

Danach traten wir den Heimweg an. Weit hinter der Grenze bei Duisburg fiel meiner Frau ein, dass sie noch Mozzarella für das Abendessen bräuchte. Wir sahen von der Autobahn einen Lidl und ich nahm die nächste Abfahrt, um irgendwie dorthin zu kommen. Doch wir stießen vorher auf Kaufland und entschieden spontan, dort einzukaufen.

ich steuerte eine freie Parklücke an, schnappte mir meine Handtasche und stiefelte gemeinsam mit meiner Frau los. Ich hatte keine Angst, fühlte mich aber ein wenig overdressed. Alle anderen Kunden trugen Jogginghosen, ausgewaschene Jeans und Schlabberpullis. Da war ich in meinem Röckchen, den schicken Stiefeln und der Jacke mit Fellbesatz schon ein Hingucker. Und das taten viele Leute. Ich beachtete sie nicht weiter und meine Frau und ich erledigten den Einkauf.

Wir kamen an der Haarpflegeabteilung vorbei und ich meinte, ich wolle mal nach einer Haarbürste für die Handtasche gucken. Gesagt, getan. Meine Frau fand eine zum zusammenklappen mit integriertem Spiegel. Die war genau richtig, denn sie enthielt zwei Dinge, die in meiner Ausstattung fehlten. Es gab sie in schwarz und in pink. Ich nahm die pinke Version.

Wir gingen zur Kasse und konnten nach einiger Wartezeit bezahlen. Ich half meiner Frau beim Einpacken der Waren in einen Einkaufsbeutel. Zwischendurch griff ich die Klappbürste ab und verstaute sie sogleich in meiner Handtasche.

Nun ging es aber wirklich nach Hause. Na ja, fast zumindest. Denn vorher fuhren wir noch zu unserer Stammpizzeria. Meine Frau hatte ihren Mozzarella, doch ich wollte eine Pizza. Noch während der Fahrt rief meine Frau dort an und bestellte sie vor. Dort angekommen stieg sie aus und holte die Pizza ab. ich blieb im Wagen sitzen, was mir mehr als Recht war. Der Pizzabäcker ist nämlich ein alter Bekannter, mit dem ich als Mann schon manche nette Unterhaltung hatte.

Zu Hause dann aßen wir, sahen fern und entspannten uns beim Eurovision Songcontest schauen, bei dem Deutschland mal wieder den letzten Platz belegt hat. Schade für Jamie-Lee. Ich finde ihre Outfits übrigens klasse und habe auch schon überlegt, wie mir so was wohl stehen würde.

Ich behielt noch den ganzen Abend meine Perücke auf und wischte mir auch erst direkt vor dem Schlafengehen das Make-up aus dem Gesicht. Wie so oft nach so einem Tag wünschte ich insgeheim, er würde nie enden...

Fazit

Ich kann nur allen Crossdressern, die sich zu Hause verstecken, raten, raus zu gehen. Es macht so viel Spaß und eigentlich ist es gar nicht so peinlich, wie man (frau) oft denkt. Die meisten Leute beachten einen gar nicht wirklich, zumindest wenn man dezent gekleidet daher kommt, also nicht gerade in weißen Plateaustiefeln aus Latex und einem roten Lederminirock.

Es ist aber etwas anderes, falls frau Leuten begegnet, die man auch aus dem normalen Leben als Mann kennt. Ich finde, es ist umso schwieriger, je besser oder länger man die Leute kennt. Ich könnte wohl niemals der Klassenlehrerin meiner Tochter gegenüber als Mina auftreten. Auch der Pizzabäcker in unserer Stammpizzeria wäre ein Problem. Der Türsteher vom Coffeshop steht bei mir offenbar auf der anderen Seite der Hemmschwelle. Bei ihm hatte ich kein mulmiges Gefühl. Vielleicht auch, weil Kiffer im Allgemeinen entspannter sind :-).


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