Mina K.
Zwischen zwei Welten

Wünsch dir was!

Das Leben als Crossdresser ist nicht immer ganz einfach.

Es gibt wohl bei den meisten meiner Art immer diesen Spagat, zwischen dem was man sein möchte und dem was man ist.

Man ist im normalen Leben ein Mann und lebt ein Leben als Mann. Man möchte auf keinen Fall von nicht-Eingeweihten enttarnt werden und möglichst alles Weibliche (wie z.B. lackierte Fußnägel)verstecken.

Und damit sind wir schon beim Kern der Sache: Die Verwandlung in ein anmutiges, weibliches Wesen erfordert vielfältige Veränderungen. Manche davon sind eher kurzfristig angelegt und rückstandslos zu entfernen, wie z.B. die Kleidung oder auch eine Perücke. Andere dagegen sind von dauerhafterer Natur, wie eine Ganzkörperrasur oder lackierte Nägel. Gut, letzteres lässt sich mit Nagellackentferner schnell beseitigen, aber auch das bleibt oft nicht ganz ohne Spuren.

Was an diesen Veränderungen aber noch viel unangenehmer ist, sind die späteren Auswirkungen. Natürlich lassen sich Veränderungen auf verschiede Arten und Weisen bewerkstelligen. Doch das hat dann wiederum Auswirkungen auf die Langfristigkeit.

Lasst mich das bitte an ein paar Beispielen erläutern:

  1. Haut:
    Wenn nach der Rasur die Haar nachwachsen, wird nicht nur die vormals schön glatte Haut ganz rau und struppig. Eingewachsene Haare können echt die Pest sein. Und manch einem kann es peinlich sein, als Mann mit rasierten Armen und Beinen herumzulaufen.
  2. Haare:
    Für eine feminine Frisur muss ich eine Perücke tragen. Mit meinem natürlichen Gestrüpp auf dem Kopf lässt sich keine Miss-Wahl gewinnen. Doch nach einer Weile wird es unter der Perücke unangenehm warm. Außerdem drückt das Gummi permanent auf den Kopf. Es juckt und die Perücke kann leicht verrutschen. Shoppen gehen macht großen Spaß, aber wenn ich Oberteile in der Umkleidekabine anprobiere, ist die Perücke immer im Weg. Beim Ausziehen rutscht sie mir vom Kopf, beim Anziehen werden alle Haare wild durcheinander gewuschelt. Umkleidekabine ohne Bürste geht gar nicht, das habe ich gelernt. Deshalb habe ich immer eine in meiner Handtasche dabei..
  3. Brüste:
    Unter den falschen Silikonbrüsten — die sind ohne Frage ein Muss — wird es ebenfalls warm und beginnt nach einer Zeit zu riechen (zum Glück schließt das Silikon beim Tragen alles hermetisch ab). Wenigstens ist das nichts, was man nicht mit ein bisschen Hygiene in den Griff bekommt. Was aber wirklich schade ist, ist dass die sensitiven Brustwarzen unter einer dicken Silikonschicht verschwinden und keine Stimulation möglich ist.
  4. Penis:
    Mein Penis lässt sich in der Regel mit einem Caché-Sex ganz gut wegdrücken. Weitaus schwieriger wird das beim Tragen eines Keuschheitskäfigs. Daher geht letzteres eigentlich nur in Verbindung mit Röcken oder Kleidern. Eine auffällige Beule vorne am Schritt ist nun wirklich das so ziemlich unweiblichste Merkmal überhaupt.
  5. Körperbau:
    Mit meiner Figur bin ich ja einigermaßen zufrieden. Aber für einen wirklich flachen Bauch könnten es ruhig ein paar Kilo weniger sein. Für breitere Hüften habe ich eine spezielle Polsterhose, die sich leider gar nicht gut mit Keuschheitskäfigen verträgt.
  6. Stimme:
    Ich möchte von meiner tiefen Stimme möglichst wenig in der Öffentlichkeit preisgeben. Daher benutze ich oft bei unvermeidlichen Gesprächen eine Art leise Fistelstimme. Ich bin nicht sicher, ob sich das viel überzeugender für andere anhört.

Was ich mir wünschen würde:

  1. Haut:
    Eine Laserepilation am ganzen Körper. Nahezu unbezahlbar, leider. Und natürlich volle Akzeptanz bei meinen Mitmenschen. Komische Blicke und Getuschel mag nun wirklich niemand.
  2. Haare:
    Natürliche lange Haare. Aber eine solche Typveränderung könnte ich nur schwer meinem Umfeld erklären, ohne mit der Wahrheit herauszurücken.
  3. Brüste:
    Solange es keine High-Tech-Brustprothesen wie aus den Bodysuit-Stories gibt, käme hier als Alternative wohl nur eine Brust-OP in Frage.
    Im Vergleich zu Punkt 2. ist das ein echter Kontrast: Die alternative Lösung (Brust-OP) zu einem eher kleinen Problem (Hygiene, Brustwarzen) hat wohl von allen Veränderungen die schwerwiegendsten und lebensverändernden Ausmaße.
  4. Penis:
    Mit der gleichen Begründung wie bei den Brüsten, käme auch hier nur eine OP in Frage. Aber bei aller Liebe zum Femininen, ich glaube nicht, dass ich diesen Schritt bei all den Risiken jemals gehen würde. Er dürfte allerdings gerne etwas kleiner sein :-).
  5. Körperbau:
    Durch eine Hormon-Therapie sollen schon nach kurzer Zeit erste Ergebnisse sichtbar werden. Die Haut wird weicher, die Formen runder. Doch auch das Gemüt kann sich ändern. Das ließe sich nur schwer verbergen.
  6. Stimme:
    Da vermutlich selbst eine Hormon-Therapie meinen Stimmbruch nicht mehr verhindern kann, bliebe wohl nur eine nicht sehr einladend klingende Operation an den Stimmbändern. Außerdem wäre damit ein Outing unabdingbar.

All diese Probleme (von den finanziellen mal abgesehen) könnten gelöst werden durch ein Outing, was natürlich auch nicht ohne Folgen bliebe. Es würde sich die Frage stellen, ob der folgende Weg zu einer vollständig entwickelten Transsexualität samt Geschlechtsangleichender Operation führt, oder nur auf halben Wege dahin. Doch wie soll das aussehen? Gibt es Alternativen zu "ganz oder gar nicht"?


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